Fussgesundheit im Wandel der Kulturen

Wenn der Zeh sich um die Ecke biegt


Written on 5. September 2011 – 14:45 | by admin

Fehlstellung an den Füßen ist weit verbreitet / Operation ist heute ein Routineeingriff

Es beginnt harmlos: Der Schuh drückt - erst leicht, im Laufe von Monaten aber immer stärker. Der Ballen des großen Zehs rötet sich, schwillt an und beult aus. Schließlich steht der große Zeh völlig schief. Hallux valgus heißt diese Verformung, die im Extremfall dazu führen kann, dass jeder Schritt starke Schmerzen verursacht.

Nach Schätzungen von Orthopäden leiden in Deutschland mehrere Millionen Menschen am Hallux valgus - überwiegend Frauen. Das hat seinen Grund: Zu enges und hochhackiges Schuhwerk begünstigt die Erkrankung.

“Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Fußes”, erläutert Daniel Frank, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF). Sie tritt in jedem Lebensalter auf: Kinder sind genauso betroffen wie Senioren. Die meisten Betroffenen erkranken aber im mittleren Lebensalter. Ganz klar sind die Ursachen nicht: Die meisten Experten gehen von einem angeborenen Defekt aus, der durch falsches Schuhwerk verstärkt wird. Oft denken die Betroffenen zuerst an eine Blase oder verstärkte Hornhautbildung. “Manche gehen zunächst zur Fußpflegerin”, sagt Frank.

Dabei hat sich im Innern des Fußes längst eine Verschiebung gebildet, die sich nicht einfach durch Massagen oder bessere Schuhe wieder beseitigen lässt. Die Achse der Großzehe weicht zum Fußaußenrand hin ab, der erste Mittelfußknochen verschiebt sich zur Fußinnenseite, erläutert Professor Johannes Hamel. “Zusätzlich werden die Beuge- und Strecksehnen zum Fußaußenrand verlagert.” Der Knochen auf der Innenseite des ersten Mittelfußknochens vergrößert sich, und es bildet sich ein Schleimbeutel über diesem Knochenvorsprung.

Bisweilen ist der große Zeh so verschoben, dass er fast im 90-Grad-Winkel zum Fuß steht und sich sogar über die anderen Zehen legt. Doch auch jenseits dieser Extremfälle sei die Fehlstellung meist so ausgeprägt, dass verschiedene Teile des Vorderfußes korrigiert werden müssen - in der Regel durch eine Operation, sagt Professor Hamel. Hinzu kommt ein weiteres Problem: “An den Nachbarzehen zeigen sich oft Folgeschäden.” So kommt es zu sogenannten Hammerzehen: Die Zehen bilden einen rechten Winkel, bei dem die Zehenspitzen auf dem Boden aufliegen. Auch “Krallenzehen” sind rechtwinklig, hier liegen die Spitzen aber nicht auf dem Boden auf und zeigen senkrecht nach vorne.

Auch diese Verformungen müssen oft korrigiert werden. Bei den Operationen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. “Früher wurde oft das Gelenk geopfert, das war die schnellste Lösung”, sagt Daniel Frank. Der Nachteil dieser Methode sei jedoch, dass der Fuß nicht mehr so gut abrollt. Auch traten durch den verkürzten großen Zeh andere Folgeprobleme auf. Inzwischen steht bei den meisten Experten der Gelenkerhalt im Vordergrund. Allenfalls bei älteren Patienten, deren Gelenk durch Arthrose geschädigt ist, wird es heute noch entfernt.

Die Zahl der Methoden ist stark angestiegen und beläuft sich heute nach Expertenschätzung auf mehr als 130. Laut Professor Hamel besteht eine Hallux-valgus-OP im Prinzip aus drei Schritten: Zunächst wird der Ballen am ersten Mittelfußknochen beseitigt. Anschließend werden die Weichteile neu geordnet: “So werden zum Beispiel die Sehnen an die richtige Stelle gebracht.” Anschließend werden die Knochen der Großzehe und des Mittelfußes wieder in die richtige Position gerückt.

In anderen Fällen kann es nötig sein, die Gelenkköpfe zu versetzen oder den Knochen zu durchtrennen. So werde bei einer leichten und mittleren Fehlstellung der erste Mittelfußknochen L-förmig durchtrennt und zur Außenseite hin versetzt. Schwere Fehlstellungen werden laut Hamel mit einer langstreckigen z-förmigen Knochendurchtrennung behandelt. Die Knochenteile werden mit Schrauben befestigt. Hamel und sein Kollege Christian Kinast setzen dabei auf kleine Schräubchen, die aus Milchsäure bestehen und sich nach einiger Zeit einfach auflösen.

Die OP dauert etwa eine Stunde. Mittlerweile wird sie oft ambulant vorgenommen, erläutert Axel Neumann vom Landesverband für Ambulantes Operieren Bayern. Neben den Fortschritten bei der Narkose ermöglichen auch die neuen Operationsmethoden, dass die Patienten schon kurz nach dem Eingriff wieder laufen können. “Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich gebessert.” Auch bei komplizierteren Eingriffen könnten die Patienten mit speziellen Schuhen den Fuß gleich nach der OP wieder normal belasten.

Eine erneute Verformung der Zehen nach einer Operation ist eher selten. “Mit einem gewissen Prozentsatz muss man aber rechnen”, sagt Daniel Frank. Um jedes Risiko auszuschließen, sollten die Patienten oft barfuß laufen sowie enge und hochhackige Schuhe vermeiden. Es muss dabei nicht immer der breite Gesundheitsschuh sein, beruhigt Prof. Hamel: “Es gibt durchaus ansprechende und hochmodische Schuhe, die geeignet sind.”

Ein nur leicht ausgeprägter Hallux valgus lässt sich in bestimmten Fällen auch ohne Operation behandeln. “Man kann versuchen, das Problem mit Zehenspreizern oder Hallux-Schienen zu lösen”, sagt Daniel Frank. Andere Experten raten allerdings zu größter Vorsicht: Werde zu lange mit einer Operation gewartet, könne sich das Leiden deutlich verschlimmern, sagt Professor Hamel.

Quelle: www.allgemeine-zeitung.de

mit frdl. Empfehlung von oza-m.de

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